Thursday, 29th February 2024
29 Februar 2024

Warum die US-Börsenjetzt Achterbahn fahren

Tech-Giganten wie Amazon und Google reißen die Weltbörsen in die Tiefe.

Nachdem sich die US-Kurse nach einem brutalen Abverkauf am Mittwoch am Tag darauf erholt hatten, lagen am Freitag am Börsenparkett wieder die Nerven blank. Hohe Kursschwankungen sorgten für eine wilde Achterbahnfahrt bei den Notierungen.

Nach Handelsbeginn an der New Yorker Börse (NYSE) taumelte der Dow-Jones-Index mehr als 500 Punkte ins Minus. Am Ende des turbulenten Handelstages waren 296 Punkte ausradiert. An der Tech-Börse Nasdaq gab es zuerst ein regelrechtes Blutbad, als der Index um 3,3 Prozent einknickte. Bei Börsenschluss lag der Verlust bei zwei Prozent.

Schlechte Bilanzen bei Amazon, Google und Snap

Der augenscheinliche Grund der neuen Turbulenzen: Das Platzen einer „Tech-Blase“.
Amazon, Google und Snap (die Mutterfirma von „Snapchat“) veröffentlichten eher durchwachsene Bilanzen, die Investoren arg verschreckten:

  • Amazon: Die Aktienkurse des Unternehmens brachen um 7,82 Prozent ein, nachdem der Umsatz unter den Erwartungen der Analysten blieb und eine wenig euphorische Vorschau für das Weihnachtsgeschäft abgegeben worden war. Nach einem „Forbes“-Bericht bedeutete das für Amazon-Gründer, -Chef und -Hauptaktionär Jeff Bezos (54) auf einen Schlag einen Verlust von 14 Milliarden Dollar (12,2 Md. Euro). Später erholte sich der Kurs noch leicht.
  • Google: Die Notierungen von Alphabet, dem Holding-Konzern von Google, sanken um 1,8 Prozent: Der Tech-Gigant legte ebenfalls bei den Umsätzen laue Zahlen vor.
  • Snap: Der Mutterkonzern der Message-Plattform Snapchat krachte um zehn Prozent nach unten nach der Bekanntgabe des Verlustes von zwei Millionen täglichen Nutzern.

„Der Kurs scheint überhöht“, sagte Sandra Navidi, Autorin des Bestsellers „$uper-hubs“ und Co-Autorin und Moderatorin der n-tv-Dokuserie „Wie tickt Amerika?“. Die Digitalisierung sorge außerdem dafür, dass Tech-Riesen immer abstrakter und über Narrative dargestellt würden: „Anstelle von greifbaren Maschinen, Produkten und Kunden gibt es immaterielle Plattformen.“

Längerfristig wäre die Frage, so die Expertin, wie diese Firmen ihre Geschäftsmodelle ausrichten und ob es ihnen gelingen wird, ihre Marktbeherrschung auszubauen. Investoren befürchteten aber auch, dass es verstärkte Regulierungen oder sogar ein Auseinanderbrechen der Konzerne geben könnte.

„Trump-Boom“ ist vorbei

Der Bullenmarkt in Amerika hatte sich besonders nach der Wahl von Donald Trump 2016 beschleunigt, der US-Präsident verwies immer wieder auf die Feierlaune unter Börsianern als Zeichen seines Erfolges.

Jetzt jedoch gerät der „Trump-Boom“ offenbar ins Stottern – an den Börsen jedenfalls:

  • Alle Zuwächse seit Jahresbeginn beim Dow Jones etwa wurden durch die Abverkäufe der letzten Tage praktisch ausgelöscht.
  • Während sich viele Schlagzeilen auf ein Gemetzel im Technologie-Sektor konzentrieren, verlaufe der jüngste Abverkauf „auf breiter Front“, sagte Scott Buchta, Analyst bei Brean Capital, zu „Business Insider“.
  • Der S&P500-Index liegt jetzt zehn Prozent unter den Rekorden im September, so die „New York Times“ , eine offizielle „Korrektur“, wie ein substanzielles Einbrechen im Börsenjargon genannt wird.
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Folgen von Trumps Wirtschaftspolitik

Trumps Steuererleichterungen und seine Deregulierung hätten einer bereits solide wachsenden Wirtschaft noch einmal Turbo-Antrieb verliehen, sagte Navidi: Die Steuergeschenke seien ohne Kürzung der Ausgaben aber langfristig nicht durchhaltbar. Das Defizit explodiere bereits: Allein im vergangenen Fiskaljahr ist es um 17 Prozent auf 895 Milliarden Dollar gestiegen. Die Autorin: „Die Wirtschaft überhitzt sich und die Inflation steigt.“

Woran krankt es noch?

  • Obwohl die US-Wirtschaft weiter kräftig expandiert (3,5 Prozent im dritten Quartal, Arbeitslosigkeit nur 3,7 Prozent), sind an der Wall Street die Sorgen gewachsen, dass die Aktienpreise vieler Unternehmen überbewertet sind.
  • Eine gefährliche Investment-Blase bildete sich vor allem beim Aktien-Höhenflug von Tech-Giganten: Jüngst hatten sowohl Apple als auch Amazon die Billionen-Grenze beim Firmenwert überquert.
  • Auch die von Trump angezettelten Handelskriege, vor allem mit China, hatten für Nervosität in den internationalen Finanzmärkten gesorgt. „Die Stimmung der Firmenchefs und Investoren trübt sich deshalb angesichts dieser Risiken und der Ungewissheit gerade ein“, sagte Navidi.
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  • Dazu fährt die US-Notenbank („Fed“) wegen der sich aufheizenden Ökonomie mit der Anhebung der Zinssätze fort: Steigende Zinsen aber machen Investitionen in den Aktienmarkt weniger attraktiv.
  • Auch der Kurs des Dollar zog deshalb an: US-Produkte werden dadurch im Ausland teurer, Amerikas Exportwirtschaft gerät unter Druck. Die Unternehmen Anheuser-Busch, 3M, Illinois Tool Works, UPS and PPG Industries verwiesen auf den Dollar-Kurs als Grund für schwächere Umsatzprognosen.

Weitere globale Verwerfungen könnten künftige potenzielle Börsencrashs verschlimmern, sagte Navidi: Für die Aktienmärkte wäre zunächst das Zurückfahren der lockeren Geldpolitik zu verkraften. Das nahende Ende des Wirtschaftszyklus, sowie geopolitische Instabilitäten und nachlassendes Weltwirtschaftswachstum bedeuteten eine echte Herausforderung: „Wenn es zu einer Korrektur kommt, kann der elektronische Handel diesen Einbruch noch exponentiell verstärken“, warnt sie.

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