Wednesday, 21st November 2018
21 November 2018

Im Alter von zweieinhalb ist die Darmflora von Kindern ausgereift

In drei Phasen entwickelt sich bei Kindern das Mikrobiom im Darm. Forscher haben auch untersucht, wie sich eine natürliche Entbindung und das Stillen auf die Bakterien-Welt im Verdauungstrakt auswirken. 0

Die Darmflora von Kleinkindern entwickelt sich innerhalb der ersten 30 Lebensmonate zu einer stabilen Bakteriengemeinschaft. Die Studie eines internationalen Großprojektes zeigt, wie wichtig Stillen ist und wie schnell dieses Mikrobiom im Darm auf eine veränderte Ernährung reagiert.

Im Alter von zweieinhalb Jahren hätten Kinder ein langfristig stabiles Mikrobiom, berichtet das Team in der Zeitschrift „Nature“. „Wir wissen, dass die ersten Lebensjahre wichtig für die Etablierung des Mikrobioms sind“, sagt Projektleiter Joseph Petrosino vom Baylor College of Medicine in Houston (USA). „Man wird mit sehr wenigen Mikroben geboren, und in diesen ersten Jahren sammeln sich Mikrobengemeinschaften in und auf dem Körper an.“

In der Studie analysierten die Forscher aus vier Ländern, darunter Deutschland, mehr als 12.000 Stuhlproben. Sie stammten von gut 900 Kindern im Alter von 3 Monaten bis knapp vier Jahren. Dabei identifizieren die Wissenschaftler die Mikroorganismen anhand ihres Erbguts.

Grundsätzlich durchlaufe die Besiedlung des Verdauungstrakts drei Phasen, betonen sie auf Grundlage ihrer Daten: eine Entwicklungsphase bis zum Alter von 14 Monaten, eine Übergangsphase im Alter von 15 bis 30 Monaten und eine stabile Phase im Alter ab 31 Monaten.

Bei den Kindern, die durch natürliche Entbindung und nicht per Kaiserschnitt zur Welt kamen, fanden die Forscher tendenziell vermehrt Bakterien aus der Gattung der Bacteroides. Jene Babys, die diese Gruppe vermehrt aufwiesen, trugen besonders früh eine hohe Keimvielfalt. Dieser Mikroben-Reichtum gilt generell als günstig.

Die genauen Folgen für die weitere Entwicklung sind allerdings noch nicht geklärt. Zudem gingen Bacteroides mit einer besonders raschen Reifung des Mikrobioms einher.

Wie die Forscher weiter berichten, geht Stillen mit einem erhöhten Vorkommen von Bifidobakterien einher, die in vielen Probiotika enthalten sind. Dies gilt insbesondere für die Arten B. breve und B. bifidum. „Die Aufnahme von Brustmilch, exklusiv oder als Beikost, war der wichtigste Faktor für die Struktur des Mikrobioms“, schreibt das Team.

Nach dem Abstillen der Kinder verschwanden jene Bakterien, die menschliche Milch verarbeiten können, überraschend schnell. Stattdessen tauchten vermehrt Firmicutes-Bakterien auf, die schon typisch für die Darmflora von Erwachsenen sind.

„Dann können andere Bifidobacterium-Stämme wachsen, die nicht die Stoffwechselprodukte von Milch verarbeiten“, erläutert Petrosino. „Das veranschaulicht, wie stark die frühe Ernährung die Entwicklung des Mikrobioms beeinflusst.“

Auch Geschwister, Haustiere und Wohnort beeinflussten die Zusammensetzung der Darmflora. Die sogenannte Teddy-Studie (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) soll die Hintergründe der Entstehung von Diabetes 1 bei Kindern klären. Beteiligt sind Einrichtungen in den USA, Finnland und Schweden sowie das Institut für Diabetesforschung in München.

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