Tuesday, 18th June 2024
18 Juni 2024

Dürfen Kameraleute während einer Live-Sendung streiken?

Quelle: BILD/ver.di
1:07 Min.

Verwirrung bei den Zuschauern – und das gleich am frühen Morgen!

Normalerweise sendet das ARD-„Morgenmagazin“ („MoMa“, Sendebeginn 5.30 Uhr) im Ersten live. Nicht so am Dienstag. Ab 7 Uhr wurde bei Moderationen und Beiträgen ein Hinweis eingeblendet: „Dies ist eine Aufzeichnung der Stunde zwischen 6 und 7 Uhr.“

Grund dafür: ein Warnstreik in den Kölner Studios des Westdeutschen Rundfunks (WDR), der für die Produktion der Sendung zuständig ist. Dürfen die bei den öffentlich-rechtlichen Sendern überhaupt ihre Arbeit niederlegen? Und das auch noch während einer Live-Sendung?

BILD klärt die wichtigsten Streik-Fragen!

  • Aufzeichnung statt Livesendung

    Was war da los im „Morgenmagazin“?

    Zuschauer sahen eine aufgezeichnete Stunde statt der Livesendung, erst um 7.57 Uhr ging es weiter. Was war da los im „Morgenmagazin“?

Wie lief der „MoMa“-Streik ab?

Dienstagfrüh, 5 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi informiert laut eigenen Angaben den WDR über den Warnstreik. Zwischen 6 und 24 Uhr sind die Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich zu beteiligen. Ab 6 Uhr gehen die Gewerkschafter durch einzelne Redaktionen und informieren die Beschäftigten – auch die des „MoMa“.

In der Senderegie, die für die Übertragung des „Morgenmagazins“ zuständig ist, hätten die Mitarbeiter entschieden, sich mit dem Streik solidarisch zu zeigen, sagte ein Verdi-Sprecher. Folge: Statt live zu senden, fahren sie die Sendung vom Band ab. „MoMa“-Kameraleute haben nach Verdi-Angaben das Sendestudio aber nicht verlassen.

Der Warnstreik beim #WDR wirkt sich auch auf das #ARDMoMa aus. Hier der Blick von unseren Kolleg*innen. #jetzteinschalten pic.twitter.com/77Z1diO6EM

— ver.di WDR (@verdi_WDR) July 9, 2019

Die Ausstrahlung der Aufzeichnung bricht um 7.57 Uhr ab, mitten in einem Beitrag. Danach sah man, dass die Moderatoren Anja Bröker (46) und Sven Lorig (47) kurz etwas irritiert auf der Couch saßen. Bröker wies noch einmal für alle Zuschauer, die die erste Vorwarnung nicht mitbekommen hatten, auf den Warnstreik hin, sagte dann: „Aber jetzt sind wir wieder live.“

Der WDR sprach im Anschluss von „personellen Engpässen“. Ganz entfallen musste demnach der Sport-Teil innerhalb von WDR Aktuell um 12.45 Uhr.

Dürfen die Öffentlich-Rechtlichen überhaupt streiken?

Ja! Laut Grundgesetz darf jeder Arbeitnehmer in Deutschland streiken – egal ob festangestellt oder freischaffend. Das steht in Artikel 9 Absatz 3 GG: „Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet.“

Es kommt auch nicht darauf an, ob man in einer Gewerkschaft Mitglied ist oder nicht. Entscheidend ist laut Deutschem Gewerkschaftsbund nur, dass der Streik von einer Gewerkschaft organisiert wird.

▶︎ Allerdings: Nur wer Gewerkschaftsmitglied ist, bekommt Streikgeld!

Bei Beamtinnen und Beamten sieht die Lage anders aus: Sie können sich zwar auch gewerkschaftlich organisieren, doch für sie gilt nach dem Grundsatz des Berufsbeamtentums im Zweifelsfall ein Streikverbot.

  • „Fridays for Future“-Bewegung

    Sind Klimaschutz-Demos zu radikal?

    Angefangen hat es mit Greta Thunberg, doch ein Teil der Klimaschutz-Bewegung radikalisiert sich. Irrweg oder Notwehr? Ein Pro & Contra.

Können Kameraleute bei einer Live-Sendung einfach ihre Arbeit niederlegen?

Auch das dürfen sie – „aber in angemessenem Rahmen“. Verdi: Es werde nicht alles stehen und liegengelassen, „sondern die Technik wird gesichert, die Kollegen werden informiert und man verabschiedet sich in den Streik“.

Die Streikteilnahme geschehe immer mit Blick auf „Wirken und Umfeld des Arbeitsplatzes“.

Warum wurde es nicht so organisiert, dass es den Zuschauern nicht auffällt?

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Mit einem Warnstreik oder echten Streik im Zuge von Tarifverhandlungen wollen die Arbeitnehmer Stärke demonstrieren. „Unser Ziel ist es, dass viele Beschäftigte im Betrieb informiert werden – das macht einen Warnstreik aus“, sagt Verdi. Ein Streik ohne Folgen gehe nicht.

„Die Kollegen haben ein Recht darauf, dass sie ihre Forderungen formulieren und durch Streik unterstreichen dürfen. Damit kommt es auch zu Ausfällen oder Abweichungen des normalen Ablaufs.“

Seit 6 Uhr ist Warnstreik beim #WDR. @Gewerkschafter, Vorsitzender von @_verdi im WDR, mit dem Aufruf vor dem Haus von @1LIVE und @COSMO__ARD. pic.twitter.com/tN4yGYXHMj

— ver.di WDR (@verdi_WDR) July 9, 2019

Wofür streiken die WDR-Mitarbeiter?

Verdi kreidet an, dass die Tarifforderung vom WDR bisher nicht erfüllt worden sei. Die Gewerkschaft will unter anderem eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent, Auszubildende sollen 100 Euro mehr im Monat bekommen. Außerdem wollen sie mehr Freizeitausgleich.

Die Warnstreiks dürften laut Verdi „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ weitergehen. Die nächsten Verhandlungen finden am 11. Juli statt. Dass der WDR die Gewerkschaftsforderungen eins zu eins akzeptiert, ist unwahrscheinlich. „Eine Tarifsteigerung entsprechend der Forderungen der Gewerkschaften hätte weiteren Personalabbau und Einschnitte im Programm zur Folge“, teilte der Sender mit.

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