Saturday, 15th December 2018
15 Dezember 2018

Was Eltern vor der Geburt für ihr Kind tun können

Papa und Mama können vor der Geburt einiges für den Nachwuchs tun – auf Rauchen und Alkohol verzichten zum Beispiel. Jetzt haben Forscher noch mehr konkrete Tipps aufgeschrieben – für zwei bis drei Jahre vor der Geburt. 0

Die Gesundheit der Eltern vor Beginn einer Schwangerschaft sollte Medizinern zufolge stärker in den Fokus rücken. Die körperliche Verfassung und Ernährungsweise der Mutter wie auch des Vaters vor der Empfängnis sei entscheidend für ein gesundes Kind ohne chronische Erkrankungen, betonen Experten im Fachmagazin „The Lancet“.

In drei Beiträgen fassen die Wissenschaftler zahlreiche Studien zusammen und präsentieren eigene Ergebnisse. Die Vorbereitung auf eine geplante Schwangerschaft sollte demnach schon zwei bis drei Jahre davor beginnen – auch beim Mann.

Hauptautoren der Studien sind Judith Stephenson vom University College London sowie Keith Godfrey und Mary Barker von der University of Southampton. „Während der aktuelle Fokus auf Risikofaktoren wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum wichtig ist, brauchen wir auch neue Kampagnen, um beide Elternteile ernährungsmäßig auf eine Schwangerschaft vorzubereiten“, erklärt Stephenson. Neben Übergewicht und Unterernährung nehmen die Forscher vor allem die Ernährung mit Mikronährstoffen – in erster Linie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – in den Blick.

Falsche Ernährung der Eltern beim Kind zu sehen

Nach bisherigen Erkenntnissen erhöht eine Fehlernährung der Eltern beim Kind das lebenslange Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Stoffwechsels, des Immunsystems und des Nervensystems. Aus Daten der britischen nationalen Untersuchung zur Ernährung und Versorgung mit Nährstoffen schließen die Wissenschaftler nun, dass die meisten Frauen im gebärfähigen Alter nicht genügend Mikronährstoffe zu sich nehmen. So liegt bei 96 Prozent von mehr als 500 Frauen die Aufnahme von Eisen und Folsäure unter den Empfehlungen für Schwangere (14,8 Milligramm für Eisen, 0,4 Milligramm für Folsäure).

Aufgrund dieser Ergebnisse und von Studien, die den Einfluss der elterlichen Ernährung auf den Nachwuchs zeigen, plädieren die Mediziner für eine neue Definition der Zeit vor der Schwangerschaft. Bisher werden die drei Monate vor der Empfängnis als entscheidend angesehen.

Um den Alkoholkonsum und das Rauchen einzustellen sowie die Versorgung mit Folsäure sicherzustellen, sei diese Zeit ausreichend, schreiben Stephenson und Kollegen. Dies gelte jedoch nicht, wenn es darauf ankomme, von starkem Übergewicht auf ein Normalgewicht zu gelangen oder die ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen durch reichlich Obst und Gemüse zu erreichen. Hierbei empfehlen die Forscher, die zwei bis drei Jahre vor einer geplanten Schwangerschaft zu nutzen.

Die Forscher heben auch den Einfluss der Ernährung des Vaters auf die körperliche Verfassung des Nachwuchses hervor. Eine Fehlernährung, Rauchen und Alkoholkonsum eines Mannes wirken sich nicht nur auf die Zeugungsfähigkeit aus. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass auch geschädigtes Erbgut im Spermium, eine fehlerhafte Regulierung des Hormonhaushalts sowie Herz- und Stoffwechselerkrankungen beim Kind die Folge sein können.

Um die Gesundheit der nächsten Generation zu verbessern, schlagen die Wissenschaftler drei Strategien für den weltweiten Einsatz vor: Ernährungsergänzung – vor allem in Gegenden mit Unterernährung – von gebärfähigen Frauen, finanzielle Unterstützung und Anreize für Schwangere sowie eine Veränderung des Ernährungsverhaltens.

Dafür wollen die Mediziner nicht nur diejenigen ansprechen, die einen Kinderwunsch haben – 60 Prozent der weltweiten Schwangerschaften sind geplant. Insgesamt sollen die Bevölkerungen vieler Länder darüber aufgeklärt werden, wie wichtig eine gesunde Ernährung der Eltern vor und während der Schwangerschaft für die Gesundheit des Kindes ist.

Für Regina Ensenauer von der Universitäts-Kinderklinik in Düsseldorf sind die beschriebenen Erkenntnisse nicht ganz neu, aber „die Vorstellungen und Ideen der Wissenschaftler teile ich absolut“. Sie weist darauf hin, dass die Auswirkungen von Unterernährung auf die Entwicklung der Kinder bereits im Hinblick auf die Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht worden seien. Die Folgen einer Überernährung würden hingegen erst seit etwa zehn Jahren wissenschaftlich untersucht. Die zunehmende Verbreitung von Fettleibigkeit erfordere breit angelegte Vorsorgemaßnahmen.

Auch Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen findet, dass die Beiträge das Problem und den Forschungsstand „sehr schön zusammenfassen“. Auch in seinem Umfeld werde bereits diskutiert, ob die Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes nach einem Zuckertest in der 26. Schwangerschaftswoche nicht zu spät komme. Allerdings spricht er sich gegen eine Aufklärungskampagne für breite Bevölkerungsschichten aus. Stattdessen sollten besondere Risikogruppen, vor allem Familien mit geringem Einkommen, gezielt informiert und unterstützt werden.

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