Tuesday, 19th March 2019
19 März 2019

Durchfallerreger an jedem zweiten Hähnchen

Ob in der Suppe, als paniertes Schnitzel oder Mortadella-Aufschnitt: Knapp 21 Kilogramm Huhn isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Somit dürften die erschreckenden Zahlen der Bundesregierung jeden betreffen: Mehr als jede zweite Hähnchenfleischprobe (51,8 Prozent) aus dem Einzelhandel war 2017 mit dem Durchfallerreger Campylobacter kontaminiert!

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter (48) hervor. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet.

▶︎ 2011 gab es bei 31,6 Prozent des getesteten frischen Fleischs (mit oder ohne Haut) positive Campylobacter-Proben.

▶︎ 2013 waren es bei 37,5 Prozent, 2014 stieg der Wert auf 54 Prozent. 2016 sank die Zahl der positiven Proben auf 47,2 Prozent und stieg 2017 wieder auf 51,8 Prozent.

Noch schlimmer ist die Keim-Situation an den Schlachthöfen: Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden dort sogar bei 78,8 Prozent der Masthähnchen Durchfallerreger gefunden.

Schon wenige Bakterien reichen für eine Infektion

Campylobacter sind stäbchenförmige Bakterien, die durch das Erhitzen des Fleischs aber absterben. Wird rohes Huhn unter dem Wasserhahn gewaschen, können die Bakterien in der ganzen Küche verteilt werden: In der Regel spritzt das Wasser über die Küchenoberfläche, erreicht auch Schneidebretter oder Messer, die danach nicht desinfiziert werden.

Nur ein paar dieser Bakterien reichen bereits aus, um eine Lebensmittelvergiftung auszulösen! Die meisten Campylobacter-Infektionen kommen von Hühnerfleisch. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts führt Campylobacter zu 60 000 bis 70 000 gemeldeten Erkrankungen pro Jahr. Vor allem Kinder, Ältere und Schwangere sind häufig betroffen.

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    51,8 Prozent der getesteten Hähnchenfleisch-Proben aus dem Einzelhandel waren 2017 Erregern belastet. Wie kann man sich schützen?

Hofreiter forderte, die Bundesregierung müsse für mehr Hygiene auf den Schlachthöfen sorgen. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherschutzzentralen (vzbv), Klaus Müller: „Entscheidend ist, dass Schlachthäuser besser kontrolliert und zu verbesserten Hygienemaßnahmen verpflichtet werden.“

Der Bundesverband des Lebensmittelhandels wies darauf hin, dass die in den USA zulässige Methode, Keime auf dem Fleisch durch Chlor zu beseitigen, in Europa nicht erlaubt sei. Es durchzubraten oder durchzukochen, ist somit unerlässlich.

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