Wednesday, 21st November 2018
21 November 2018

Hessen-Landtagswahl – Spitzenkandidat der Grünen: Wer ist Tarek Al-Wazir?

Die Schicksalswahl in Hessen – für den Bund

Am 28. Oktober wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt. Dabei geht es aber um viel mehr als die künftige neue Landesregierung in Wiesbaden.

Landtagswahl in Hessen: Der regierenden Koalition droht das Aus, dem politischen Berlin ein Erdbeben. (Quelle: t-online.de)


Tarek Al-Wazir ist das Gesicht der hessischen Grünen. Auch wenn seine teils ironische und oft belehrende Art polarisiert: Er könnte sogar Ministerpräsident werden</b>.

Rhetorisch geschliffen, mit Argumenten untermauert und oft mit Wortwitz garniert: Wenn Tarek Al-Wazir im hessischen Landtag redet, ist ihm zwar nicht die Zustimmung aller Abgeordneten sicher. Aber ihre Aufmerksamkeit schon. Er gehört zu den besten Rednern im Parlament. Er tritt seinen politischen Gegnern fast immer im Angriffsmodus entgegen.

Der Grünen-Spitzenkandidat weiß viel, auch viele Details – und zelebriert das gern bei öffentlichen Auftritten. Was seine politischen Freunde beklatschen und ihn nach Umfragen zum beliebtesten Politiker in Hessen macht, kritisieren Kontrahenten gerne auch als Unfehlbarkeitsanspruch oder arrogantes Belehren.

Tarek Al-Wazir, Spitzenkandidat von Bündnis90/Die Grünen zur Landtagswahl in Hessen: Am 28.10.2018 wählt Hessen einen neuen Landtag. Wie in Bayern könnten auch im hessischen Landtag die Grünen stark zulegen. (Quelle: dpa)

Der Mann mit der runden Brille und dem inzwischen ergrauten Bürstenhaarschnitt ist gerne Wirtschafts- und Verkehrsminister, daraus macht der 47-Jährige keinen Hehl. Bewusste Provokationen vom möglichen künftigen Koalitionspartner FDP in einem Dreierbündnis, das Wirtschaftsministerium gehöre praktisch den Liberalen, kann der Realo Al-Wazir deshalb auch niemals unkommentiert lassen.

Gutes Verhältnis mit Bouffier

Al-Wazir ist Sohn eines jemenitischen Ex-Diplomaten und einer friedensbewegten Offenbacher Lehrerin, die ihren Sohn in jungen Jahren zu den Demonstrationen gegen den Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen mitnahm. Mit 14 Jahren zog er für zwei Jahre zu seinem Vater in die jemenitische Hauptstadt Sanaa und besuchte dort eine internationale Schule. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen. Das Paar hat zwei Söhne.

Der stellvertretende Ministerpräsident ist bekennender Offenbacher und überzeugter Hesse. Obwohl ihm viele auch den Sprung nach Berlin zutrauen, kokettiert Al-Wazir öffentlich nicht mit dem Wechsel auf das Bundesparkett. Mit Regierungschef Volker Bouffier (CDU) ist er per Du. Trotz ihres fast gegensätzlichen Wesens und Auftretens verstehen sich die beiden Spitzenpolitiker gut und halten das schwarz-grüne Bündnis zusammen.

Al-Wazir ist früh politisch durchgestartet, er wurde schon mit 29 Jahren Fraktionschef im hessischen Landtag. In der Folgezeit baute er das politische Programm der Hessen-Grünen konsequent aus. 

„Tarek statt Groko“

Seine Partei erlebt aktuell einen Höhenflug und dies wirbelt wenige Tage vor der Landtagswahl die Machtoptionen in Hessen kräftig durcheinander. Die Grünen rangieren in den jüngsten Umfragen bei über 20 Prozent Zustimmung. Manche Meinungsforscher sehen die Partei im Land wie im Bund als zweitstärkste Kraft. Rein rechnerisch rückte nach einem Stimmungsbild sogar Grün-Rot-Rot als Option mit nach vorne, dann würde Al-Wazir womöglich Ministerpräsident.

Vor wenigen Monaten wurde er noch als Königsmacher gesehen und die Frage war nur, ob die Grünen sich für Schwarz-Grün oder für Rot-Rot-Grün aussprechen. Der Aufwind der Grünen gibt ihm eine neue Machtoption, mit seiner Partei als zweitstärkste Kraft im Land.

Nicht umsonst warnen Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Volker Bouffier, der mit der CDU im Land massiv an Zustimmung eingebüßt hat, bereits eindringlich vor einem linken Bündnis nach der Wahlentscheidung am kommenden Sonntag. 

Beliebtester Politiker Hessens

Hessens Grüne werden von zwei Wellen getragen: Sie sind politisches Bollwerk gegen eine starke AfD und zudem Anti-Groko-Partei. Nicht nur das Spitzenduo, Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz, nutzt nahezu jeden Wahlkampfauftritt, um diese zwei Botschaften zu verbreiten. Auch die Plakate der Partei zielen darauf ab: „Vernunft gestaltet geiler. Zweitstimme Grün gegen Rassismus“ und „Tarek statt Groko“ ist darauf zu sehen.

Al-Wazir ist Umfragen zufolge Hessens beliebtester Politiker. Er zeigt sich von den historisch guten Werten betont ungerührt. Ungewöhnlich für einen Mann, der seine Erfolge normalerweise lieber einmal zu oft als einmal zu selten erwähnt.

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